Kein anderes Wildtier polarisiert so stark wie der Wolf: Manche sehen ihn als Konkurrenten und Schädling, der in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft keinen Platz mehr hat. Andere verherrlichen ihn und bagatellisieren die Konsequenzen für Landwirtschaft und Jagd.
Da der Stammvater unserer Hunde gerade dabei ist, sich wieder in Österreich zu etablieren, sollten wir uns mit diesem großen Beutegreifer möglichst sachlich und mit einem Mindestmaß an Toleranz auseinandersetzen.
Wölfe werden etwa so groß wie Schäferhunde. Sie haben im Unterschied zu diesen aber einen kräftigeren Hals und einen breiteren Kopf. Die Rückenlinie verläuft beim Wolf gerade, während sie beim Schäferhund oft deutlich nach hinten abfällt.
In der Fellfärbung der Wölfe dominieren Grau-, Braun- und Beigetöne. Schnauzenunterseite, Kehle, Brust und Bauch sowie die Innenseiten der Beine sind meist sehr hell gefärbt. Beim Laufen fallen die langen Beine und die leichtfüßige Fortbewegung auf.
Der Wolf wurde bei uns wie die anderen Großraubtiere im Laufe des 19. Jahrhunderts durch direkte Verfolgung ausgerottet. Dabei setzte man z.B. mit Schafen beköderte Wolfsgruben ein, aus denen die Wölfe nicht mehr entkommen konnten und vom Menschen getötet wurden.
Wölfe überlebten nur in einigen Rückzugsgebieten in Ost- und Südeuropa - oft in geschlossenen Wäldern, z.T. aber auch in offener Kulturlandschaft. In diesen Gegenden wurde er zwar meist bejagt, aber nicht ausgerottet.
Aus Forschungsprojekten wissen wir heute gut über die Lebensweise europäischer Wölfe Bescheid. Manche Fragen konnten beispielsweise beantwortet werden, indem Tiere mit Halsbandsendern ausgestattet und dann regelmäßig gepeilt wurden.
Wölfe führen ein verstecktes, oft nachtaktives Leben. Sie sind in Rudeln organisiert, die in Mitteleuropa zumeist nur aus 5-10 Tieren bestehen. Dabei handelt es sich um die Eltern sowie die Jungen des diesjährigen und eventuell auch des vorjährigen Wurfes.
Junge und halbwüchsige Wölfe sind sehr verspielt. Nach rund einem Jahr im elterlichen Rudel wandern sie ab, um selbst die Gründung einer Familie zu versuchen.
Ein Rückgang der Bejagungsintensität in den süd- und osteuropäischen Rückzugsgebieten hatte in den letzten Jahrzehnten eine Zunahme der dortigen Bestände und eine Zuwanderung einzelner Tiere nach Mitteleuropa zur Folge.
Wölfe kehrten z.B. wieder in die Nachbarländer Deutschland und Schweiz zurück. Diese großen Beutegreifer konnten vor allem in extensiv bejagten Gebieten wie Truppenübungsplätzen (niedrigere Abschussgefahr!) Fuß fassen und Rudel gründen.
Wölfe kommunizieren neben den vom Hund bekannten Urinmarken auch durch Heulen. Dabei können sie sowohl mit Rudelmitgliedern als auch mit benachbarten Rudeln Kontakt aufnehmen. Durch Nachahmen des Heulens kann man Wölfe manchmal zum Antworten animieren.
Wölfe besitzen hervorragende Sinnesorgane. Um Schallquellen zu orten, können die Gehöre unabhängig voneinander bewegt werden. Der ausgezeichnete Geruchsinn ist uns auch von den Hunden bekannt.
Wölfe hetzen Beutetiere oft über längere Distanzen. Mitteleuropäische Wölfe jagen meist alleine oder zu zweit und erbeuten hauptsächlich Rehe. In Osteuropa spielen Rothirsche eine größere Rolle.
Wölfe benötigen mitunter einige Tage, bis sie erfolgreich Beute gemacht haben. Sie können dann große Nahrungsmengen zu sich nehmen und im Anschluss wieder tagelang fasten.
Kranke und schwache Tiere fallen Wölfen besonders oft zum Opfer. Aufgrund dieser Auslese kann man Wölfe als "Gesundheitspolizisten" ansehen. Gebietsfremde Wildarten wie Muffelwild und Damwild können ebenfalls massiv dezimiert werden.
Während Wölfe bei den vielen kleinen, über die Landschaft verteilten Fütterungen in der Slowakei wenig Einfluss auf das Rotwild haben, könnte dies bei den Großfütterungen und Wintergattern in Österreich anders aussehen.
Mehr oder weniger massive Verluste durch Risse an Fütterungen sind verständlicherweise ebenso wenig erwünscht wie verstärkte Verbiss- und Schälschäden durch versprengtes Wild. Zwecks Minimierung der diesbezügl. Konflikte sollte ein möglichst naturnahes "Schalenwildmanagement" angestrebt werden.
Auch Haus- und Nutztiere werden gelegentlich erbeutet. In manchen Fällen könnten Elektrozäune Abhilfe schaffen. Die Wiedereinführung von Herdenschutzhunden kann Übergriffe auf Nutztiere stark reduzieren. Allerdings sind solche Präventionsmaßnahmen arbeits- und kostenintensiv.
Damit Großraubtiere von der ländlichen Bevölkerung akzeptiert werden, müssen die Kosten für die Vorbeugung von Schäden von der Öffentlichkeit getragen werden. Auch eine Abgeltung von gerissenen Nutztieren ist unabdingbar.
Wolfsfährten verlaufen aber oft geradliniger und zielgerichteter als jene der verspielten Hunde. Wölfe laufen gerne hintereinander. Bei hoher Schneelage steigen sie genau in die Abdrücke des vorne laufenden Tieres, auf tragendem Schnee eher nicht.
Die Losung läuft oft in eingedrehten Spitzen aus, verströmt wie bei allen Fleischfressern einen ausgeprägten "Duft" und enthält meist Knochenstücke und Haare von Beutetieren. "Wolfsverdächtige Losung" sollte rasch tiefgefroren und für genetische Untersuchungen an Experten weitergeleitet werden.
In den letzten Jahrzehnten wanderten immer wieder einzelne Wölfe nach Österreich ein. Dies ist durch illegale Abschüsse, Fotos und z.T. auch durch genetische Analysen (z.B. von Kot, Urin, Speichel aus Bissspuren) belegt.
Bis vor ein paar Jahren wurden Wölfe vor allem im Alpenraum nachgewiesen. Dieses erwachsene Männchen wurde am 25. Jänner 2002 auf der Rettenbachalm nahe Bad Ischl erlegt. Das Präparat kann im Schlossmuseum Linz (Südflügel) bestaunt werden.
Dieser Wolf konnte am 04.02.2010 in Kärnten mehrfach mit einer Fotofalle, also einem mittels Bewegungsmelder auslösenden Fotoapparat, fotografiert werden.
... und ein weiblicher Wolf in den Norden von Niederösterreich auf den Truppenübungsplatz Allentsteig ein.
2016 bekamen sie erstmals Nachwuchs und gründeten damit über 100 Jahre nach der Ausrottung wieder das erste Wolfsrudel auf österreichischem Boden.
Mittlerweile gibt es im Grenzgebiet zwischen Oberösterreich, Niederösterreich und Tschechien drei Wolfsrudel. Der Bestand im gesamten Bundesgebiet wird von Experten aktuell auf 25-35 Wölfe geschätzt.
Dieses Bild zeigt einen Wolf, der 2018 tagsüber im Norden von Oberösterreich (in Windhaag bei Sandl) in der Nähe eines Bauernhofes beobachtet wurde.
Obwohl Wölfe (wie Füchse) durchaus in Siedlungsnähe auftauchen können, besteht für den Menschen keine direkte Gefahr - er passt sozusagen nicht ins "Beuteschema". Begegnungen mit Wölfen werden aber ohnehin selbst im Wald die absolute Ausnahme sein.





































